Beyond 2: Energiegemeinschaften und Strompreise

Beyond 2: Energiegemeinschaften und Strompreise

Klares „Ja“ zu Energiegemeinschaften, aber Aufwand soll gering sein

Im Rahmen des Forschungsprojekts „BEYOND“ entwickelt best connect gemeinsam mit der TU Wien und der Forschung Burgenland innovative Marktdesigns sowie netz- und systemdienliche Anwendungen für integrierte, lokale und regionale Energiesysteme. Solche Anwendungen basieren zum Beispiel auf Photovoltaikanlagen, Batteriespeichern oder Kleinwasserkraftwerke-Produkten und -Anlagen, die eine intelligente Nutzung von Energie aus erneuerbaren Quellen unterstützen.

Damit neue Anwendungen für Energiesysteme und Energiegemeinschaften nachhaltig, aber auch markttauglich ausgearbeitet und entwickelt werden können, wurden 238 best connect-Mitglieder zu den Themen „Energiegemeinschaften und Strompreise“ befragt.

Handel mit selbst erzeugtem Strom in einer Energiegemeinschaft

Das übergeordnete Ziel des Projekts „BEYOND“ ist die Verbindung regionaler und lokaler Konsumenten und Prosumenten in eine Energiegemeinschaft. In einer Energiegemeinschaft können Mitglieder den erneuerbar erzeugten Strom mit anderen Mitgliedern teilen. Über die eigene Grundstücksgrenze und auch Ortsgrenze hinaus kann Strom gehandelt, weitergegeben und verbraucht werden.

In einer Energiegemeinschaft steht nicht der finanzielle Gewinn im Vordergrund, sondern Gemeinnützigkeit und Nachhaltigkeit. Auf Basis solcher Überlegungen wurde ein Fragebogen zur Akzeptanz von Energiegemeinschaften, Nachhaltigkeit im Unternehmen sowie Strompreispolitik konzipiert.

Beyond 2: Energiegemeinschaften und Strompreise

Energiegemeinschaften ja, aber ohne viel Aufwand

Die meisten Mitglieder (72 %) haben zwar schon von Energiegemeinschaften gehört, aber die wenigsten (22 %) fühlen sich auch gut informiert. In den meisten Fällen halten sie Energiegemeinschaften für innovativ und vertrauenswürdig. Fast die Hälfte könnte sich vorstellen, Teil einer Energiegemeinschaft zu werden. Eine aktive Mitgestaltung an der Energiegemeinschaft wird allerdings vermieden – man möchte keine Zeit für das eigene Kerngeschäft verlieren.

Zum Aufbau von Energiegemeinschaften spielen Produkte und Anlagen, die Energie aus erneuerbaren Quellen intelligent nutzen, eine wesentliche Rolle. Fast alle Mitglieder haben dabei eine positive Meinung gegenüber Photovoltaikanlagen auf Dächern, wohingegen Photovoltaik auf Freiflächen nur von knapp der Hälfte akzeptiert wird. Drei von vier Mitgliedern sind Batteriespeichern positiv gegenüber eingestellt, ein Mitglied unter fünf lehnt Kleinwasserkraft und Windkraft tendenziell ab.

Die eigene Nachhaltigkeitsperformance wird von den meisten Mitgliedern als ausbaufähig bewertet. Insbesondere sind unternehmerische Lieferketten in vielen Fällen wenig nachhaltig ausgerichtet. Soziale Nachhaltigkeitsaspekte im eigenen Unternehmen werden häufiger positiv bewertet als finanzielle oder ökologische. Tendenziell mehr positive Rückmeldungen kommen von verhältnismäßig größeren Betrieben, die sehr häufig in der Landwirtschaft tätig sind.

Strompreise

Steigende Strompreise werden hingenommen, Preisgarantie ist den Mitgliedern wichtiger

Die Stromkosten in einer Energiegemeinschaft sollen günstiger als am Markt sein. Dennoch erwartet nur ein Drittel der Befragten eine deutliche Ersparnis, zwei Drittel sehen eine Kostenersparnis womöglich nicht als primäre Motivation zur Teilnahme an einer Energiegemeinschaft. Diese wären für regionale Produkte und Dienstleistungen sogar bereit, mehr zu bezahlen. Fast alle Mitglieder verbindet der Gedanke der Planungssicherheit – ihnen ist es wichtig, dass sich die Stromkosten nicht verändern. Hierbei wurde abgefragt, welches Strompreismodell bevorzugt wird. Zur Wahl stand ein vergleichsweise günstiger variabler Strompreis um aktuell 20 Cent/kWh, ein vergleichsweise teurer Strompreis (30 Cent/kWh) mit 2 Jahren Preisgarantie und ein mittelmäßig teurer Strompreis (25 Cent/kWh) mit einem Jahr Preisgarantie. Die konkrete Präferenz für ein Preismodell hängt von der betrieblichen Ausrichtung ab. So konnten bei der Datenanalyse drei nennenswerte Zielgruppen identifiziert werden.

Die größte Zielgruppe setzt sich großteils aus Kleinstunternehmen zusammen, die vergleichsweise häufiger Dienstleistungsbereich tätig sind. Diese Mitglieder präferieren am ehesten ein Strompreismodell mit einer fixen Bepreisung auf zwei Jahre – auch wenn günstigere Preismodelle am Markt angeboten werden sollten.

Weitere zwei Zielgruppen gleicher Größe bevorzugen günstigere Varianten. Eine Gruppe, tendenziell durch Landwirte und zum Teil auch verhältnismäßig größeren Betrieben charakterisiert, zeigt eine deutliche Präferenz zum variablen Strompreis um 20 Cent/kWh. Die dritte Zielgruppe bevorzugt die Kompromisslösung: einen mittelmäßig teuren Strompreis (25 Cent/kWh) mit einem Jahr Preisgarantie.

Im weiteren Projektverlauf werden die Erkenntnisse aus der Befragung weiter berücksichtigt. Wir sind stolz, Teil dieses Projektes zu sein und bedanken uns bei der TU Wien und Forschung Burgenland für die tolle Zusammenarbeit. Wir freuen uns auf alles, was noch kommt und halten Sie in unserem Blog auf dem Laufenden.

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