Photovoltaik in Österreich: Wieviel ist für die Energiewende nötig?

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Photovoltaikanlage in Österreich auf einer Freifläche

100 % erneuerbarer Strom bis 2030 und Klimaneutralität bis 2040: Diese Ziele hat sich die österreichische Bundesregierung gesetzt. Klar ist: Mehr Sonnenstrom allein reicht nicht – notwendig sind leistungsfähige Speicher, intelligente Steuerung von PV-Anlagen und ein digitalisierter, strategisch geplanter Netzausbau.

Sonnenstrom als Schlüssel zur Energiezukunft

In Österreich trifft im Durchschnitt jedes Jahr etwa 1.000 Kilowattstunden Sonnenenergie auf jeden Quadratmeter. Bereits mit der heute verfügbaren Solartechnologie wäre es möglich, Sonnenenergie zu einem zentralen Bestandteil der österreichischen Strom- und Wärmeversorgung zu machen. Denn Photovoltaik hat einen unschlagbaren Vorteil: Fast jede Österreicher:in kann mit einer PV-Anlage oder einem Balkonkraftwerk zur Energiewende beitragen.

So viel Photovoltaik braucht Österreich

Um unseren gesamten Energiebedarf aus erneuerbaren Energien zu decken, muss der PV-Ausbau weiter voranschreiten – bis 2030 werden 21 Terawattstunden (TWh) bzw. bis 2040 41 TWh Sonnenstrom jährlich benötigt. Momentan (2025) sind es 3,8 TWh.

Photovoltaik-Ausbau in Österreich: So sieht’s aktuell aus

Photovoltaik boomt. Auch wenn sich die neu installierte PV-Leistung im ersten Quartal 2025 um 20 Prozent gegenüber dem Vergleichsquartal 2024 verringert hat. Was dazu beigetragen haben könnte: Weniger Förderung von PV-Anlagen und das Ende der MwSt-Befreiung für die Anschaffung und Installation von PV-Modulen. Diese wurde mit 1. April 2025 vorzeitig beendet.

Bis Ende 2024 waren in Österreich Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtleistung von 9.398 MWpeak (Gleichstrom) installiert. Das ist ein Zuwachs von 36,4 % im Vergleich zu 2023. Diese Anlagen sparten rund 2,1 Millionen Tonnen CO₂-Emissionen ein.

Jährlicher Photovoltaik-Zubau und installierte PV-Leistung in Österreich 2015–2024

Ein Rückschlag für PV-Betreiber:innen wird durch das neue Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ELWG) befürchtet. Der Gesetzesentwurf sieht erstmalig Netzentgelte für Einspeiser vor. Rund 500.000 Betreiber:innen von PV-Anlagen sollen bei Stromüberschuss-Einspeisung künftig zur Kasse gebeten werden.

Photovoltaik im Bundesländer-Vergleich

Niederösterreich, Oberösterreich und die Steiermark liegen bei PV-Erzeugung und Leistung vorne. Wien, Vorarlberg und Burgenland bringen als flächenmäßig kleinste Bundesländer am wenigsten Solarstrom hervor.

Auch unterschiedliche gesetzliche Rahmenbedingungen in den einzelnen Bundesländern bremsen oder beschleunigen den Ausbau. In der Steiermark sind beispielsweise PV-Anlagen bei Neubauten Pflicht. Kärnten hat ein Flächenlimit von 4 Hektar für PV-Anlagen eingeführt.

Freiflächenprojekte kaum genutzt

PV‑Vorrangzonen für Photovoltaik sind spezielle Flächen, die von Bundesländern oder Gemeinden gezielt für Freiflächen-PV‑Projekte (> 10 ha) ausgewiesen und vorrangig behandelt werden. Damit sollen rechtliche und räumliche Voraussetzungen geschaffen werden, um Großanlagen schneller umzusetzen.

Ein PV-Flächencheck des Dachverbands Photovoltaic Austria zeigt, dass ein Großteil der Vorrangzonen ungenutzt bleibt. Die Gründe: Der Mangel an Einspeisemöglichkeiten oder die fehlende Widmung durch Gemeinden. In der Steiermark sind bisher nur 6 von 36 ausgewiesenen Zonen ausgebaut worden, in Niederösterreich 8 von 116 – das entspricht einem Nutzungserfolg von unter 10 %.

Was ist für einen erfolgreichen Photovoltaik-Ausbau in Österreich nötig?

Photovoltaik sorgt nicht nur für positive Schlagzeilen. Zuletzt häuften sich Stunden mit negativen Strompreisen, begleitet von Warnungen vor lokalen Netzüberlastungen durch unkontrollierte Einspeisung von Wind- und Sonnenstrom.

Welche Handlungsoptionen haben jetzt Priorität, um die Energiewende trotz dieser Hürden zu meistern?

  • Netzausbau vorantreiben
    Ausbau und Optimierung der Verteilnetzinfrastruktur sind essenziell, um hohe Einspeisespitzen aus Photovoltaik zuverlässig zu bewältigen.
  • Netze digitalisieren
    Kommunikationsfähige Netzelemente ermöglichen eine bedarfsgerechte Steuerung des Spannungsniveaus und damit der Leistungsflüsse. Die Einbindung von Smart-Meter-Daten unterstützt zusätzlich eine intelligente Netzführung.
  • Speicherkapazitäten erweitern
    Die Zwischenspeicherung von Überschussstrom ist ein zentraler Baustein für eine stabile und klimafreundliche Energieversorgung mit hohem Photovoltaikanteil.
  • PV-Anlagen intelligent steuern
    Eine intelligente Steuerung steigert den Eigenverbrauch, optimiert Markterlöse und entlastet das Stromnetz.
  • Photovoltaik-Planung in den Bundesländern beschleunigen
    Die Bundesländer müssen ihre Raumplanung und baurechtlichen Vorgaben modernisieren, um geeignete Flächen für Photovoltaik schneller nutzbar zu machen.

Schwache Netze – die Bremse der Energiewende

Österreichs Photovoltaik-Boom trifft auf ein überlastetes Stromnetz. Der Ausbau neuer Solaranlagen schreitet voran, doch die Netzinfrastruktur hinkt hinterher.

Die Verteilernetze sind vielerorts nicht auf dezentrale Stromerzeugung (z.B. durch kleine PV-Anlagen) ausgelegt. Das führt dazu, dass Netzbetreiber beim Anschluss neuer Anlagen verzögern oder ablehnen. Der Unmut in der Branche wächst.

Mit dem neuen Elektrizitätswirtschaftsgesetz sind Netzbetreiber verpflichtet, langfristig zu planen und zu investieren. Denn der Netzausbau ist nicht nur im Hochspannungsbereich nötig, sondern auch auf lokaler Ebene – vom Umspannwerk bis zur Ortsleitung.

Wer zahlt für den Netzausbau?

Ein wichtiger Punkt: Die Kosten tragen indirekt die Verbraucher:innen. Der Ausbau wird über Netzentgelte finanziert – und die schlagen sich auf der Stromrechnung nieder.

Batteriespeicher: Schlüsseltechnologie für grüne Energiezukunft

Obwohl der Ausbau von Photovoltaik-Batteriespeichern deutlich zunimmt, klafft weiterhin eine große Versorgungslücke. Von 2023 bis 2024 stieg die Gesamtkapazität der PV-Batteriespeicher in Österreich um 73 %.

Jährlicher Zubau und Gesamtkapazität von PV-Batteriespeichern in Österreich 2014–2024

Für eine klimaneutrale Stromversorgung bis 2040 sind leistungsfähige Batteriespeicher in Österreich unverzichtbar – und der Bedarf ist massiv. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Speicherstudie von PV Austria, der Austrian Power Grid (APG), der TU-Graz und d-fine. Die Studie zeigt erstmalig anhand konkreter Zahlen den Bedarf an Batteriespeichern bis 2030 und 2040.

Ergebnisse der Speicherstudie in Zahlen:

  • Strombedarf verdoppelt sich bis 2040 auf 125 TWh.
  • Flexibilitätsbedarf – also Strom, der zeitlich verschoben werden muss – steigt auf 41 TWh (sechs Mal so viel wie heute) bis 2040.
  • Batteriespeicherbedarf verachtfacht sich bis 2040:
    • 2030: insgesamt 5,1 GW, davon
      3,7 GW Kleinspeicher (Haushalte, Betriebe)
      1,4 GW Großspeicher
    • 2040: insgesamt 8,7 GW, davon
      6,0 GW Kleinspeicher
      2,7 GW Großspeicher
  • Größter Bedarf an Speichern nach Bundesländern:
    • Niederösterreich: 28 %
    • Oberösterreich: 19 %
    • Steiermark: 17 %
Karte Österreichs mit erforderlicher Batteriespeicherleistung bis 2040 für Photovoltaik

Energiespeicher als Systemlösung für Netzstabilität

Grundsätzlich wird für die Energiespeicherung ein Gesamtpaket nötig sein: zum Ausgleich kurzfristiger Erzeugungsschwankungen und zur Netzregelung sowie zur Überbrückung von Stunden und Tagen mit geringer erneuerbarer Erzeugung.

In diesem Zusammenhang gewinnt ein weiterer Faktor an Bedeutung: Zunehmend erschweren gravierende Wetterschwankungen durch den Klimawandel sichere Wetterprognosen. Auch für diese Herausforderung ist es wichtig, flexible Speicher einzubinden, um Schwankungen auszugleichen.

Neue Photovoltaik-Anlagen müssen steuerbar sein

Schon heute belastet die Einspeisung von Photovoltaiksystemen das Stromnetz – besonders an sonnigen Tagen und bei wechselhaftem Verbrauch. Intelligente Energiemanagement-Systeme wirken dem entgegen: Sie steuern Erzeugung, Verbrauch und Speicherung in Echtzeit und sorgen so für ein stabiles Gleichgewicht im Netz.

Smart Grids ermöglichen minutengenaue Steuerung

Durch die Verknüpfung mit Smart-Grid-Systemen können Einspeisung und Verbrauch minutengenau aufeinander abgestimmt werden – das erhöht Effizienz, Netzstabilität und ermöglicht mehr Sonnenstrom im Mix.

Mehr Sonnenstrom auch ohne Netzausbau möglich

In Österreich zeigt eine aktuelle Untersuchung (PV-Austria, Arxiv.Org und Oesterreichs Energie): Mit intelligenter Steuerung und ohne Netzausbau könnten bereits zusätzliche PV-Anlagen mit bis zu 32 % mehr Leistung integriert werden, während die Energieverluste durch Abregelung mit 2 % gering blieben. Das heißt: Selbst bestehende Netze könnten deutlich mehr Solarstrom aufnehmen – vorausgesetzt, die Einspeisung wird dynamisch geregelt.

Steuerbare Photovoltaik-Anlagen wirken auch den drastisch gestiegenen Stunden mit negativen Börsenstrompreisen entgegen.

Tagesrandstunden optimal nutzen

Zur Mittagszeit produzieren Photovoltaik-Anlagen häufig mehr Strom, als das Netz aufnehmen kann – mit der Folge: negative Strompreise. Netzbetreiber reagieren zunehmend mit Fernsteuerung oder der Abregelung von PV-Anlagen.

Die Lösung: Batteriespeicher und flexible Verbraucher wie Wärmepumpen oder Elektroautos. Sie verlagern den Stromverbrauch in die Tagesrandstunden – also in die frühen Morgen- oder Abendstunden –, wenn die Strompreise in der Regel höher sind. Die Stromnutzung ist dabei eng mit der Preisbildung an der Strombörse verknüpft. Doch wie entstehen diese Preise eigentlich?

Merit-Order bestimmt Strompreis in Österreich

 

Wie entstehen Strompreise – und was bedeutet das für Solarstrom?

Der Börsenstrompreis folgt dem Merit-Order-Prinzip: Die Stromerzeuger werden nach ihren Grenzkosten (also den Kosten für die zusätzliche erzeugte Kilowattstunde) sortiert. Das teuerste Kraftwerk, das zur Deckung der Nachfrage noch benötigt wird, bestimmt den Marktpreis.

Strompreise rutschen unter null

Erneuerbare Energien wie Solar- und Windstrom haben sehr geringe Erzeugungskosten – nahezu null. Sie verdrängen teure Kraftwerke aus dem Markt und senken so den durchschnittlichen Strompreis. Paradoxerweise kann genau das in Spitzenzeiten zu negativen Preisen führen – insbesondere, wenn Strom nicht gespeichert oder flexibel verbraucht wird.

 Wie werden Photovoltaik-Einspeisetarife festgelegt?

Die Unterschiede ergeben sich durch Vertragstyp, Region, Netzsituation und Anlagengröße. Die Obergrenze orientiert sich am Quartalsmarktpreis der E-Control, während die Untergrenze bei 60 % dieses Preises liegt. Die Tarife werden in der Regel monatlich angepasst, um den aktuellen Marktbedingungen Rechnung zu tragen.

Photovoltaik in Österreich als Wirtschaftsmotor

Das Wachstums- und Zukunftspotenzial der Photovoltaikbranche ist beeindruckend. 2023 erwirtschaftete die Branche österreichweit einen Umsatz von 4,3 Milliarden Euro und sorgte für 13.000 Arbeitsplätze.

Die PV-Branche ist allerdings stark von asiatischer Modulproduktion abhängig – insbesondere von China, das fast die gesamte Wertschöpfungskette kontrolliert. Diese Konzentration bringt Vorteile bei Preisen, birgt aber Risiken: Preisdruck, Lieferengpässe und fehlende lokale Wertschöpfung. Europa bemüht sich, durch Initiativen wie „Made in Europe“ eigene Kapazitäten aufzubauen – doch derzeit bleibt die Abhängigkeit spürbar hoch.

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