Netzgebühren für Strom & Gas: Warum sie steigen und was Sie dagegen tun können
Rund ein Drittel Ihrer Strom- oder Gasrechnung entfällt auf Netzgebühren, doch die wenigsten wissen, was sich dahinter verbirgt. In diesem Artikel erfahren Sie, wie Netzgebühren in Österreich entstehen, wer ihre Höhe festlegt und warum sie in den letzten Jahren spürbar gestiegen sind. Außerdem zeigen wir Ihnen, mit welchen konkreten Maßnahmen Sie Ihren eigenen Anteil reduzieren können.
Das Wichtigste auf einen Blick:
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- Netzgebühren machen rund ein Drittel der Strom- oder Gasrechnung in Österreich aus.
- Die Höhe legt die E-Control, die österreichische Regulierungsbehörde für Energie, jährlich per Verordnung fest. Sie sind nicht verhandelbar.
- 2025 stiegen die Stromnetzentgelte österreichweit laut E-Control um rund 23 %, 2026 nur noch um rund 1,3 %.
- Den Energiepreis können Sie durch einen Anbieterwechsel senken – die Netzgebühren nicht.
- Eigenverbrauch erhöhen und Lastspitzen vermeiden sind die wirksamsten Hebel zur Kostenreduktion.
Was sind Netzgebühren in Österreich?
Jedes Mal, wenn Sie den Lichtschalter betätigen oder den Herd benutzen, wird Energie über ein weit verzweigtes Netz aus Leitungen, Transformatoren und Verteilstationen zu Ihnen transportiert. Für Aufbau, Betrieb und Erhalt dieser Infrastruktur zahlen alle an das Strom‑ oder Gasnetz angeschlossenen Kund:innen Netzgebühren – egal ob Privathaushalt oder Unternehmen.
Konkret umfassen Netzgebühren alle Entgelte für die Nutzung dieser Infrastruktur: von der Errichtung neuer Leitungen über Wartung und Instandhaltung bis hin zum laufenden Betrieb und der Messung Ihres Verbrauchs.
Netzkosten, Netzentgelte, Netzgebühren – was ist der Unterschied?
Im Alltag begegnen uns alle drei Begriffe und meistens meinen wir damit dasselbe. Der Unterschied liegt allerdings im Detail: „Netzentgelte“ ist der offizielle, gesetzlich definierte Begriff. Er bezeichnet die regulierten Beträge, die Netzbetreiber für die Nutzung ihrer Leitungsnetze verlangen dürfen. „Netzgebühren“ und „Netzkosten“ hingegen sind umgangssprachliche Varianten, die sich im Alltag etabliert haben.
Netzgebühren: Der unverhandelbare Teil Ihrer Stromrechnung
Ihre Stromrechnung besteht grundsätzlich aus drei Bestandteilen:
Energiekosten
Das ist der Teil, den die meisten von uns im Blick haben. Hier zahlen Sie für den Strom, den Sie tatsächlich verbraucht haben, berechnet in Kilowattstunden (kWh). Der Preis pro kWh variiert je nach Tarif und Anbieter und ist damit der einzige Posten auf Ihrer Rechnung, über den Sie durch Anbieterwechsel wirklich selbst entscheiden können.
Netzgebühren
Die Netzgebühren fließen in den Erhalt und Ausbau jener Infrastruktur, die dafür sorgt, dass der Strom überhaupt zu Ihnen gelangt. Die Höhe legt nicht Ihr Anbieter, sondern die unabhängige Regulierungsbehörde E-Control jährlich neu fest. Das bedeutet: Diese Kosten sind nicht verhandelbar und gelten für alle Kund:innen gleich, unabhängig davon, bei welchem Energieanbieter Sie sind.
Steuern und Abgaben
Dazu zählen etwa Elektrizitäts‑ bzw. Erdgasabgabe, kommunale Abgaben und Beiträge zur Förderung erneuerbarer Energien. Sie werden auf jede verbrauchte Kilowattstunde bzw. pro Zählpunkt eingehoben und fließen direkt an den Staat.

Warum steigen die Netzkosten 2026 in Österreich?
Die Netzgebühren sind in den vergangenen Jahren spürbar gestiegen und das hat konkrete Gründe. Ein Blick auf die Zahlen und die Hintergründe zeigt, warum sich dieser Trend auch 2026 fortsetzt.
Wie stark steigen die Netzgebühren 2026?
2025 stiegen die Stromnetzentgelte in Österreich laut E-Control im Schnitt um rund 23 %. Das entspricht für einen Durchschnittshaushalt mit 3.500 kWh Jahresverbrauch einem Mehraufwand von etwa 73 Euro pro Jahr. Bei Gas fielen die Erhöhungen je nach Bundesland mit 16 bis 35 % noch deutlicher aus, was Mehrkosten von 5 bis über 140 Euro pro Jahr bei einem Verbrauch von 15.000 kWh bedeutete.
2026 zeigt sich laut E-Control ein gemischtes Bild: Die Strom-Netzentgelte steigen österreichweit nur moderat um rund 1,3 % – das bedeutet für die meisten Haushalte nur wenige Euro Mehrkosten pro Jahr. Bei Gas sind regional weiterhin stärkere Schwankungen möglich. Dazu kommt ein Effekt, der langfristig wirkt: Weil sich immer mehr Kund:innen vom Gasnetz abkoppeln, müssen die Netzkosten auf immer weniger Anschlüsse aufgeteilt werden, wodurch die verbleibenden Kund:innen entsprechend mehr zahlen.
Was steckt hinter den steigenden Netzgebühren?
Der Hauptgrund ist der massive Ausbau der Netzinfrastruktur. Durch die Energiewende werden zunehmend Photovoltaikanlagen, Wärmepumpen und Elektroautos ans Stromnetz angeschlossen. Das bestehende Netz war jedoch auf zentrale Stromerzeugung ausgelegt, nicht auf tausende dezentrale Einspeiser. Leitungen, Umspannwerke und Transformatoren müssen daher umfassend modernisiert und erweitert werden.
Die Netzkosten steigen also nicht wegen des Strompreises selbst, sondern weil das Netz fit für eine elektrifizierte Zukunft gemacht wird – und dieser Umbau hat seinen Preis.
Wie hoch sind meine persönlichen Netzkosten in Österreich?
Das lässt sich nicht pauschal beantworten, denn wie hoch Ihre Netzkosten tatsächlich sind, hängt im Wesentlichen von drei Faktoren ab.
- Netzgebiet und Netzbetreiber: Die Entgelte unterscheiden sich zwischen Bundesländern und einzelnen Netzbetreibern spürbar. Die genauen Tarife finden sich jährlich auf der Website der E-Control.
- Jahresverbrauch in kWh: Verbrauchsabhängige Entgelte wie der Arbeitspreis und das Netzverlustentgelt steigen proportional mit Ihrem Verbrauch.
- Anschlussgröße und Messart: Ob Sie als Haushalt mit Standardanschluss, als Gewerbebetrieb oder mit Leistungsmessung abgerechnet werden, macht einen erheblichen Unterschied.
Ein genauer Blick auf Ihre aktuelle Netz‑ oder Stromrechnung zeigt, in welcher Netzebene Sie abgerechnet werden und welche Entgeltbestandteile bei Ihnen anfallen.
Woraus bestehen die Netzgebühren genau?
Die Netzkosten setzen sich aus vier Bestandteilen zusammen:
Der Grundpreis (Fixkosten)
Der Grundpreis deckt die Fixkosten des Netzbetreibers – vergleichbar mit der Grundgebühr eines Mobilfunkvertrags. Er fällt unabhängig davon an, wie viel Strom Sie tatsächlich verbrauchen.
Mengenabhängige Kosten
Diese Kosten richten sich nach Ihrem tatsächlichen Stromverbrauch und werden daher in ct/kWh angegeben. In der Systemnutzungsentgelte-Verordnung werden sie als „Netznutzungsentgelt (Arbeit)“ bezeichnet – auf Ihrer Abrechnung finden Sie möglicherweise auch die Begriffe Netznutzung, Arbeitspreis oder Verbrauchspreis.
Die mengenabhängigen Kosten finanzieren Errichtung, Ausbau, Instandhaltung und Betrieb des Netzes. Dazu zählt auch das Netzverlustentgelt.
Leistungsabhängige Kosten
Diese Kosten – laut Verordnung „Netznutzungsentgelt (Leistung)“, auf Abrechnungen auch als Netzleistung gemessen oder Netznutzung bezeichnet – werden in der Regel nur Verbrauchern mit einem stärkeren Stromanschluss verrechnet, da diese einen größeren Teil der Netzkapazität beanspruchen.
Die Berechnung basiert auf der höchsten in einer Messperiode (meist ein Monat) abgerufenen elektrischen Leistung und wird in €/kW angegeben. Die Leistung selbst – gemessen in Kilowatt (kW) oder Megawatt (MW) – gibt an, wie viel elektrische Energie benötigt wird, um die angeschlossenen Geräte oder Anlagen zu betreiben. Auch diese Kosten fließen in Errichtung, Ausbau und Betrieb des Netzes.
Gerade für Unternehmen entstehen durch Leistungsspitzen hohe Kosten. Aber es gibt eine Lösung, um dem entgegenzuwirken: Ein sogenanntes innerbetriebliches Spitzenlastmanagement kann diese Spitzen glätten. Der Stromverbrauch wird aktiv gesteuert, um diese Spitzen zu minimieren. Neben der Glättung des Strombedarfs kann auch durch den Einsatz von Speichermöglichkeiten diese leistungsabhängigen Kosten oder Netznutzung reduziert werden.
Messpreis
Der Messpreis wird für Bereitstellung, Installation, Wartung und Ablesung der Stromzähler erhoben. Seine Höhe ist österreichweit nicht einheitlich geregelt, sondern hängt vom Netzbetreiber, dem gewählten Tarif sowie der Art der Messung ab.
Was ist das Netzverlustentgelt?
Beim Transport von Strom über weite Leitungen gehen physikalisch bedingt bis zu rund 7 % der eingespeisten Energie verloren. Der Netzbetreiber ist verpflichtet, diese fehlende Menge am Markt nachzukaufen. Die entstehenden Kosten werden anteilig auf alle Stromkunden aufgeteilt. Das ist das Netzverlustentgelt.
Es richtet sich ausschließlich nach Ihrem tatsächlichen Verbrauch und wird in Cent pro Kilowattstunde verrechnet: Wer mehr Strom bezieht, trägt mehr zu den Transportverlusten bei.
Bei Gas ist das anders: Dort sind Netzverluste bereits in die regulären Tarife eingerechnet und werden nicht als eigener Posten ausgewiesen.
Wer legt die Netzgebühren in Österreich fest?
Netzbetreiber in Österreich sind regionale Monopolisten. Kund:innen können ihren Netzbetreiber nicht frei wählen, weil dieser an die jeweilige Adresse und das Netzgebiet gebunden ist. Um Verbraucher:innen vor überhöhten Kosten zu schützen, regelt die unabhängige österreichische Regulierungsbehörde für Energie (E-Control) die zulässigen Tarife.
Die E-Control prüft jährlich die gemeldeten Kosten aller österreichischen Netzbetreiber – darunter Investitionen, Betriebskosten, Wartung und Personal – und legt auf dieser Basis die zulässigen Tarife fest. Diese werden jeweils zum 1. Jänner per Verordnung veröffentlicht: für Strom durch die Systemnutzungsentgelte-Verordnung (SNE-V), für Gas durch die Gas-Systemnutzungsentgelte-Verordnung. Rechtliche Grundlage ist das Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG).
Die Tarife sind verbindlich, individuelle Verhandlungen zwischen Netzbetreiber und Verbraucher:innen sind gesetzlich ausgeschlossen.
Netzgebühren sind nicht dasselbe wie der Energiepreis. Den Energiepreis können Sie durch Anbieterwechsel beeinflussen, die Netzgebühren nicht. Wer beim falschen Anbieter ist, zahlt beim Energiepreis zu viel; an den Netzgebühren ändert ein Wechsel nichts.
Wie lassen sich Netzkosten in Österreich senken?
Netzgebühren sind nicht verhandelbar! Aber Ihr persönlicher Netzkosten-Anteil lässt sich durch gezieltes Verbrauchsverhalten durchaus reduzieren. Drei Ansätze sind besonders wirkungsvoll: .
Lastspitzen vermeiden
Leistungsstarke Geräte wie E-Auto-Ladestationen, Wärmepumpen oder große Maschinen sollten möglichst nicht gleichzeitig laufen. Zeitgesteuerte Verbraucher oder Smart-Home-Lösungen helfen, den Verbrauch in günstigere Zeiten zu verschieben und Leistungsspitzen zu glätten – besonders relevant für Unternehmen mit leistungsabhängigen Netzentgelten.
Eigenverbrauch erhöhen
Eine Photovoltaikanlage mit Speicher reduziert den Strombezug aus dem Netz und damit die verbrauchsabhängigen Netzentgelte. Jede selbst erzeugte kWh spart nicht nur den Energiepreis, sondern auch den Netzgebühren- und Abgabenanteil auf den Netzbezug.
Anschluss- und Messkonfiguration prüfen
Dieser Punkt ist vor allem für Gewerbe- und Industriekunden mit leistungsgemessenem Tarif relevant. Wer seinen tatsächlichen Leistungsbedarf durch eine PV-Anlage, Effizienzmaßnahmen oder veränderte Produktionsprozesse dauerhaft gesenkt hat, kann unter Umständen in eine günstigere Abrechnungskategorie wechseln. Eine Überprüfung gemeinsam mit dem Netzbetreiber kann solche Einsparpotenziale aufdecken.
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Strompreise sind schwankend und der Strommarkt komplex. Als Ihr unabhängiger Energiepartner beobachten wir den Markt kontinuierlich, bewerten Entwicklungen frühzeitig und verhandeln die attraktive Großhandelspreise für unsere mehr als 16.000 Mitglieder.
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Häufig gestellte Fragen
Was sind Netzgebühren und warum muss ich sie zahlen?
Netzgebühren sind das Entgelt für den Transport von Strom oder Gas über das österreichische Leitungsnetz zu Ihrem Anschluss. Jeder Haushalt und jeder Betrieb, der ans Netz angeschlossen ist, zahlt sie – unabhängig vom Energieanbieter. Sie finanzieren Bau, Betrieb und Wartung von Leitungen, Transformatoren und Zählern.
Kann ich durch einen Anbieterwechsel Netzgebühren sparen?
Nein, durch einen Anbieterwechsel lassen sich Netzgebühren in Österreich nicht sparen. Die Entgelte sind gesetzlich reguliert und gelten für alle Kund:innen im selben Netzgebiet gleich – egal bei welchem Anbieter. Was sich durch einen Wechsel sparen lässt, ist der Energiepreis. Die Netzgebühren bleiben davon unberührt.
Wer legt die Höhe der Netzgebühren in Österreich fest?
In Österreich legt die E-Control, die unabhängige Regulierungsbehörde für Energie, die zulässigen Netzentgelte jährlich per Verordnung fest, jeweils zum 1. Jänner. Die Netzbetreiber selbst dürfen keine höheren Tarife verlangen als von der E-Control genehmigt.
Warum sind die Netzgebühren 2025 so stark gestiegen?
2025 stiegen die Stromnetzentgelte österreichweit im Schnitt um rund 23 %. Der Hauptgrund ist der massive Ausbau der Netzinfrastruktur durch die Energiewende: Tausende neue Photovoltaikanlagen, Wärmepumpen und Elektroautos müssen ins Netz integriert werden, das erfordert umfangreiche Investitionen in Leitungen und Umspannwerke.
Wie hoch sind die Netzgebühren für Strom und Gas in Österreich 2026?
Laut E-Control steigen die Stromnetzentgelte in Österreich 2026 nur noch um rund 1,3 % – für einen Durchschnittshaushalt mit 3.500 kWh Jahresverbrauch sind das nur wenige Euro Mehrkosten pro Jahr. Bei Gasnetzentgelten sind regional unterschiedliche Entwicklungen möglich. Die aktuellen Tarife nach Bundesland veröffentlicht die E-Control jährlich auf ihrer Website.
Was ist der Unterschied zwischen Netzgebühren und Energiepreis?
Der Energiepreis ist das, was Sie für den tatsächlich verbrauchten Strom oder das verbrauchte Gas zahlen, dieser Teil ist frei verhandelbar und variiert je nach Anbieter. Die Netzgebühren sind ein fixer, regulierter Bestandteil Ihrer Rechnung für die Infrastruktur und sind nicht verhandelbar.
Unterscheiden sich die Netzgebühren zwischen den Bundesländern?
Ja. Die Netzgebühren variieren je nach Netzbetreiber und Bundesland, weil jeder Netzbetreiber seine eigenen Kosten für Infrastruktur und Betrieb hat. Ein Haushalt in Vorarlberg zahlt andere Netzgebühren als ein Haushalt in Wien oder Kärnten. Die aktuellen Tarife für alle Netzbetreiber finden Sie auf der Website der E-Control.



